Интервью с отцом Дэвида, Георгом Петером Бонгартцем.

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BURKHARD SCHÄFER ... | 22.05.2014

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45 Millionen Dollar für eine Bratsche? - Interview mit Streichinstrumenten-Auktionator Bongartz
Georg P. Bongartz, Vater des Star-Geigers David Garrett, ist ein bekannter Streichinstrumenten-Auktionator. Den Hype um die bei Sothebys zur Versteigerung stehende "Macdonald"- Bratsche betrachtete er mit großer Sorge. Ein Interview.\

Herr Bongartz, Sothebys wirft mit einem Schätzpreis von 45 Millionen Dollar die "Macdonald"-Bratsche auf den Auktionsmarkt, die Antonio Stradivari 1719 als einzige Viola in seiner goldenen Periode gebaut hat. Wie bewerten Sie diesen Vorgang?
GEORG P. BONGARTZ: 45 Millionen Dollar ist natürlich eine Summe, die mir utopisch vorkommt, weil selbst die höchsten Preise für die schönsten Geigen - und in der Regel ist eine Geige viel leichter zu verkaufen als eine Bratsche - immer noch deutlich unter der 20-Millionen-Dollar-Grenze liegen. Aber eine Stradivari-Bratsche bei einem Schätzpreis von mehr als dem Doppelten, das könnte schon fast ein Promotion-Trick sein, um die Summe künstlich in die Höhe zu treiben.

Warum ist eine Geige viel leichter zu verkaufen als eine Bratsche?
BONGARTZ: Erstens gibt es viel weniger Bratscher, und die sind meistens auch nicht so virtuos wie die Geiger. Ich glaube, William Pimrose war der einzige, der Paganini-Capricen auf der Bratsche gespielt und die Musikwelt in Erstaunen versetzt hat. Was für einen virtuosen Weltklassegeiger selbstverständlich ist, grenzt für einen Bratscher schon an ein Wunder. Geben Sie Bratschern eine schöne, große Viola, dann sagen die Solisten, sie ist viel zu groß. Kommen Sie aber mit einer kleinen - und das ist paradox -, dann heißt es, sie ist viel zu klein. Sie können es einem Bratscher aus meiner Erfahrung heraus nie recht machen.

Wird bei dem extrem hohen Schätzpreis gezielt auf Parameter wie berühmte Vorbesitzer, besonderer Lack, Maserung des Holzes und so weiter rekurriert?
BONGARTZ: Diese Kriterien hat es bei Geigen bisher ebenfalls gegeben - und trotzdem wurde nie ein solcher Wahnsinnspreis erzielt. Ich sehe das Ganze sehr skeptisch und frage mich, wer soll eine solche Viola kaufen? Sie ist auch sehr schwer wiederzuverkaufen. Ich will hier nicht den Spielverderber geben, aber aus dem Gesichtspunkt heraus, dass ja ein Musiker sich so etwas heutzutage überhaupt nicht mehr leisten kann, ist das schon sehr problematisch.

Welches Hauptproblem sehen Sie durch das Vorgehen von Sotheby"s also für die Branche?
BONGARTZ: Warum forciert man einen so hohen Preis? Die Folge kann sein, dass irgendeine Gesellschaft oder der sprichwörtliche reiche Unbekannte dieses Instrument kauft, jemand, der nicht weiß, wohin mit seinem Geld. Das ist doch alles unmoralisch! Denn das Instrument wird den Musikern letztendlich nur entzogen werden. Nun kann man vielleicht sagen, das ist so ein seltenes Instrument, da muss ebenfalls dem Gedanken der Konservierung Rechnung getragen werden. So ähnlich wie mit der "Kanone" von Paganini in Genua, die auch nur zu einem bestimmten Zeitpunkt vom Gewinner des Paganini-Preises gespielt wird, darüber hinaus bleibt sie in der Vitrine. Vielleicht wird man so etwas dann auch mit der "Macdonald" machen. Aber vom Prinzip her ist das alles sehr bedenklich. Denn die Gehälter der Musiker oder die Honorare der Solisten steigen ja nicht in demselben Maße.

Werden besonders wertvolle Stücke immer mehr als Kunstobjekte und weniger als Instrumente gehandelt?
BONGARTZ: Wenn das Instrument tatsächlich zu dem Preis verkauft wird, gibt es wirklich ein Erdbeben auf dem Markt, was den Verkauf gut erhaltener Cremoneser Instrumente angeht. Das Ganze wird eine Folgewirkung haben. Das heißt, alle, die so ein wertvolles Stück haben, werden ihre Preise neu überdenken. Die Instrumente werden doppelt und dreifach höher bewertet, als es heute noch der Fall ist. Jetzt merke ich ja schon, wenn die Leute mit den Einlieferungen verunsichert sind. Sie warten ab, was wird jetzt dabei rauskommen? Eigentlich eine sehr verständliche Reaktion, aber eben keine gute Reaktion.

Wie wird der Markt reagieren?
BONGARTZ: Es gab kein vergleichbares Instrument in der Vergangenheit, das einen ähnlichen Preis erzielt hätte, und es sind durchaus Stradivaris und Guarneris verkauft worden. Das wird den Markt sicherlich sehr aufwühlen und irritieren. Ich befürchte, dass es wie bei den Immobilien zu einer Blase kommt, die nachher platzt - und darin liegt das Hauptproblem. Ich bezweifle, dass die Auktionshäuser mit solch einer Versteigerung ihre Verantwortung ordnungsgemäß wahrnehmen. Wenn ein solches Instrument von alleine auf einen solchen Preis käme, wäre es eine ganz andere Angelegenheit.